Über die Grenze nach Frankreich ist man zugegebenermaßen sehr schnell. Für Viele ist das Elsaß ein nahes Ziel für einen Tages- oder Wochenendausflug. Naheliegend in doppelter Hinsicht. Denn obendrein bietet die östlichste Region Frankreichs nicht nur wunderschöne Dörfer und Städtchen mit antikem Flair und Fachwerkhäusern, auch kulinarisch bewegt man sich hier durchgehend mindestens auf anständigem aber auch bis Top Niveau.
Aux Berges de la Moder, Schweighouse-sur-Moder

Wir verlassen die ausgetretenen Pfade mit einem Ziel. Ein Tipp (ich weiß nur leider nicht mehr von wem…!?) führt uns durch das (nicht enden wollende) Industriegebiet von Haguenau. Die letzte Fabrikhalle hinter uns überqueren wir das Flüsschen Moder und landen in Schweighouse. Hier am östlichen Ortseingang sind wir angekommen zur Mittagszeit. Aber vielleicht hätten wir reservieren sollen? Wir stehen vor der „Aux Berges de la Moder“ und Heerscharen von Menschen strömen dort hinein. Wir stellen uns in die Schlange am Eingang, es ist kurz nach 12. Reges Treiben im Innern und es duftet köstlich. Uns wird tatsächlich noch ein Tisch zugewiesen und wenige Augenblicke später ist auch der letzte Tisch und Sitzplatz vergeben.



Und was gibt es zu sagen? Klassische französische Brasseriekarte, modern umgesetzt und mit schönem Anspruch versehen – das Ganze zu einem fantastischen Preis-Genuss-Verhältnis. Ein Fläschchen Rosé aus der Provence dazu und zufriedener kann ein Mittagessen kaum ausfallen. Allein die Portionsgrößen machen einem zu schaffen. Das ist mehr als ordentlich. Aber so viel sei gesagt: Danke dem Tippgeber – den gebe ich gerne weiter. Auch wenn ich anfügen möchte: Reserviert Euch vorher ein Plätzchen, es lohnt sich!
Cheval Blanc, Lembach

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt ein Stück Richtung Norden fort. Unser Ziel ist das Cheval Blanc in Lembach. Familie Bastian betreibt hier mitten im alten Ortskern ein Hotel-Restaurant, das sich seit einigen Zeiten im Guide Michelin hält. Zur Zeit „nur noch“ mit einem Stern bedacht hielt man lange Jahre auch den Zweiten auf der Tafel an der Wand. Aber das tut diesem Haus keinen Abbruch. Mit sehr viel Liebe (und sicherlich auch nicht wenig Geld) renoviert und instandgesetzt bietet dieser Hof alles, was man sich von einem schönen kurzen Aufenthalt im Elsass wünscht. Ruhe und Idylle, ein großzügiges SPA-Angebot und sehr schöne, stilvoll eingerichtete und gemütliche Zimmer. Zum Restaurant kommen wir noch.

Das Hotel – Entspannung pur
Wir haben eine Junior Suite gebucht, aber da die Auslastung das Nebengebäude nicht benötigt, erhalten wir ein kostenloses Upgrade zur Suite im Hauptgebäude. Das wiederum bedeutet einen eigenen Whirlpool im Zimmer und einen schön gelegenen Balkon mit Blick ins Grüne. Ein nettes Upgrade. Die Zimmer sind wirklich zum sofortigen Wohlfühlen und so entscheiden wir uns, den Rest des Nachmittags einfach hier bei einer Tasse Kaffee zu entspannen.
Ein kleiner Spaziergang durch Lembach. Verschlafen und dennoch irgendwie schmuck und romantisch. Leerstand gibt es wenig, dagegen sehr viel zu entdecken, wenn man die Nebengassen betritt, abseits der Durchgangsstraßen. Verwinkelt und ursprünglich wirkt hier alles, 100 Jahre oder mehr fühlt man sich zurückversetzt. Auch das ist typisch Elsass – der Charme des (Un-)Vergänglichen.
Das Restaurant
Vergänglich ist dann auch irgendwann unser Sättigungsgefühl und so freuen wir uns schon auf den Tisch, den wir im Restaurant reserviert haben. Dort erwartet uns eine ganze Armee an Servicekräften. Unser Plätzchen im kleinen Separée (wir haben selbstredend unsere beiden Hunde dabei) ist gemütlich und wirkt autark, wie zu Covid-Zeiten erfunden und heute als gemütliche Ecke genutzt für diejenigen, denen die Hunde wichtiger sind als die Gesellschaft anderer Gäste. Für uns ist das an diesem Abend ideal. Wir entschieden uns für das volle Menue und ich mache es kurz: Grandios in 6 Gängen plus Ouverture. Ich lasse die Bilder für sich sprechen kann aber wirklich sagen: Das Preis-Genuss-Verhältnis alleine verdient den Stern.



Die beschriebene Armee der Servicekräfte läuft indes gleich einem Schweizer Uhrwerk. Wie am Schnürchen gezogen erfüllt jeder zur jeder Zeit seinen Teil, seine Aufgabe. Organisiert und überwacht von Head Sommelier und Restaurantleitung. Und wenn ich von Armee spreche, dann meine ich damit alleine drei weitere zugeteilte Sommeliers und weitere 6 Servicekräfte, die wir gezählt haben. Dazu zählten wir circa 20 Gäste. Den Teiler auszurechnen überlasse ich an dieser Stelle dem geneigten Leser.





Was gibt es noch zu sagen zum Cheval Blanc? Eine Empfehlung. Das definitiv. Preis-Genuss: Top. Service: Top. Weinauswahl: Zufriedenstellend. Die Auswahl der offenen Weine war demgegenüber sehr gut. Klassisch französisch, mit Stil und dennoch casual. Viel Leistung und kein Protz – die Gäste stehen im Mittelpunkt. Ihr Wohlbefinden, ihr Gemütszustand und ihr Aufenthalt. Viel wird geboten, der Preis ist demgegenüber fair. Aber stopp: Ich habe ja noch nicht einmal das Frühstück erwähnt? Dieses Frühstück gliederte sich nahtlos in den Gesamteindruck ein. Tolles Servicepersonal und kein bisschen Gewöhnliches, von Eierkocher und Baguette einmal abgesehen. Die Küche des Hauses leistet einen erheblichen Beitrag zum Frühstück und das lässt sich dann am Morgen durchaus schmecken. Ob eigene Paté, Konfitüre oder hausgebeizter Lachs; man erhält hier das Rundum-sorglos-Frühstück aus einer 1-sternigen Küche. Probierts am besten selbst aus.


Nach dem Frühstück heisst in unserem Fall: Vor der Arbeit. Die Rückfahrt wartet leider schon auf, aber ein letzter Spaziergang über die Felder Lembachs muss noch sein mit den Hunden. Bei 12C und herrlichem Sonnenschein lässt es sich leben – und später eben arbeiten. An diesem Punkt wünscht man sich dann doch, dass die Fahrt etwas länger als dauern dürfte als diese 1,5 Stunden. Und weg möchte man im Grunde auch nicht, was aber nur bedeutet: Liebes Elsaß, Danke und bis bald. Wir kommen wieder. Versprochen.
