Freitagvormittag
Freitagvormittage sind in der Regel bei Natascha und mir fest verplant mit ankommenden Paletten, Lagerarbeiten, Videodreharbeiten, Skripte schreiben, Eventvorbereitungen (nach dem Event ist vor dem Event) und eben allem, was sonst noch anfällt. Meist schaffen wir es gerade so, die Vinothek rechtzeitig aufzumachen.
Dieser Freitagvormittag im Februar sollte jedoch anders verlaufen, denn wir freuten uns über eine persönliche Einladung zur Raritätenverkostung bei Oliver Zeter. Zwei ganze Tage war das möglich, für uns blieb ein Zeitfenster von einer Stunde. Aber diese Stunde sollte sich lohnen.
In die Pfalz


Also ab in die Pfalz. Bei frostigen Temperaturen steuern wir Olis Haupthaus „uff de Haardt“ an. Erst seit einigen Jahren befindet sich hier im Mandelring die Vinothek samt Verkostungsräumen und Showkeller. Kurz nach der Eröffnung dieses wunderschönen Anwesens waren wir einmal gemeinsam mit wenigen anderen Gästen eingeladen worden und dieser Abend ist uns heute noch in Erinnerung. Oli hatte selbst gekocht und selbstredend auch seine passenden Weine dazu gereicht. Unvergesslich ist nach wie vor einer der Gänge mit Fleisch vom Txogitxu Rind aus dem Baskenland. Eine besonders aromatische Erfahrung, die uns damals zuteil werden durfte. All das schmälert natürlich nicht alle sonstigen Erlebnisse in und mit diesem Haus und seinen Menschen. Ganz gleich, welche Verkostung auch immer stattfand mit diversen Gruppen, persönlich und privat oder mit der Öffentlichkeit – es war stets geprägt von höchstem Anspruch und Genuss. Und so verbindet uns nicht nur unsere gleichsame Liebe zum Genuss, sondern zwischenzeitlich auch ein über die Jahre weg sehr offenes und freundschaftliches Verhältnis.
Oliver Zeter

Oliver Zeter ist ja ein Spätberufener. In die Weinwelt als Weinhändler gestartet und mit Vorlieben für die Stilistiken Frankreichs ausgestattet kam er erst im gesetzteren Alter dazu, sein eigenes Weingut gründen zu können. Sein Aufstieg war dann jedoch rasant und er machte sich schnell einen Namen als Mr. Sauvignon Blanc. Eben diese Rebsorte verzückt nicht nur seine Kunden tagtäglich; er selbst nennt mittlerweile 7(!) verschiedene Sauvignon Blanc Teil seines Repertoires. Von steinig karg bis (fast!) opulent ist alles dabei, allein die Opulenz und die dicken Arme sind nicht sein Stil. Olivers Weine sind durchweg als elegant zu kennzeichnen ohne aber zart oder dünnbrüstig zu wirken.
Die Raritäten
Aber kommen wir wieder zurück zu den Raritäten dieses Freitagmorgens, denn derer gibt es viele Erwähnenswerte. Unsere Favoriten nehme ich gleich vorweg: Chenin Blanc 2015, Weissburgunder Reserve 2014 und Sauvignon Blanc Fumé 2013 aus der Doppelmagnum. Nicht nur, dass diese Weine – mittlerweile ja alle 10 Jahre oder mehr auf der Kante – noch nicht über ihren Zenit hinaus waren, es sind noch nicht einmal Reifetöne zu erahnen. Frisch und glasklar stehen die Weine im Glas, akzentuiert und als wunderschöne Erfahrung verzaubern insbesondere diese 3 unsere Gaumen. Fruchtbetonung ohne Opulenz, hervorragend eingebundene Säure und elegant wie ein Federstrich lässt sich ja beinahe zu allen Weinen von Oliver Zeter bemerken. Das wahre Reifepotential seiner Flaschen aber offenbart sich hier – die passende Lagerung selbstredend vorausgesetzt.

Doch auch bei den Rotweinen, allen voran die kleine Vertikale des „Z“ sticht das Potential hervor. Mit den Jahren weicher und sanfter werdend lässt sich das Geschmackserlebnis zwar platt, aber dennoch zutreffend beschreiben. Die klassische Bordeauxcuvee sehen wir mittlerweile als eine Art Signature Rotwein von Oliver Zeter an und freuen uns stets über die neuen Jahrgänge, weil wir von den älteren immer noch ein paar Flaschen für uns zurücklegen. Nach der Verkostung des Jahrgangs 2013 an diesem Freitag wissen wir wieder, weshalb wir das tun. Elegant und geschliffen, toll gebundene Tannine, sanfte Cassisnoten in der Nase untermalt von Bergamotte. Wirklich ein starker Stoff.

Die Weegmüller Schwestern
Und was bringt der Morgen noch? Ja klar, fast hätte ichs vergessen zu erwähnen: Die Weegmüller Sisters sind auch am Start. Natürlich als Weinmanufaktur Steinbock mit ihren beiden Weinen „3S“ und der Scheurebe, dazu ein 2013er Riesling Herrenletten in der Doppelmagnum. Der steht ebenfalls wie eine 1 und hätte ich nicht noch fahren müssen, dann… Und was täten wir gerne bleiben, unter Freunden in dieser vertraut familiären Atmosphäre. Doch die nächste Arbeit ruft bereits und verlangt von uns, Olivers Weine in der Vinothek selbst vorzustellen. Kein Problem nach diesem Auftritt. Dieser Morgen ist nicht nur eine willkommene Abwechslung sondern eine Bereicherung für uns. Und umso mehr freuen wir uns auf den baldigen Gegenbesuch der Protagonisten in unserer Vinothek. Wir sind froh mit solch wunderbaren Menschen zusammenarbeiten zu dürfen und genießen jeden Tropfen dessen, was die Mädels und Jungs uns ins Glas bringen.

Gesamtliste aller verkosteten Raritäten
Abschließend noch die Aufzählung aller an diesem Morgen verkosteten Weine von Oliver Zeter in entsprechender Reihenfolge:
- 2010 Zéro Grande Cuvée Brut Nature
- 2013 Brut Sauvignon Blanc
- 2007 Riesling
- 2019 Riesling Haardt
- 2019 Riesling Nussriegel
- 2013 Riesling Nussriegel
- 2017 Riesling Weilberg
- 2012 Riesling Weilberg
- 2020 Sauvignon Blanc
- 2013 Sauvinon Blanc
- 2007 Sauvignon Blanc
- 2019 Sauvignon Blanc Fumé
- 2013 Sauvignon Blanc Fumé Doppelmagnum
- 2013 Sauvignon Blanc Baer
- 2018 Chenin Blanc
- 2015 Chenin Blanc
- 2014 Weissburgunder Reserve
- 2008 Chardonnay
- 2007 Viognier
- 2015 Viognier Zafran
- 2017 Pinot Noir Reserve Magnum
- 2009 Pinot Noir Reserve
- 2014 Syrah
- 2012 Syrah
- 2014 Z
- 2014 Z Magnum
- 2007 Z Magnum
- 2014 Zahir
- 2012 Zahier
- 2012 Sweetheart Sauvignon Blanc
- 2010 Sweet Purple
- MV Goldschatz Trockenbeerenauslese Doppelmagnum


