Weinregion Württemberg – auf dem Weg in die Zukunft
Wein aus Württemberg. Im Grund ist das ein in sich geschlossener Markt. Ähnlich wie Franken und Saale-Unstrut werden die Weine dieser Region hauptsächlich im eigenen Markt verkauft. Direkt, die Kunden sind meist aus dem Nahbereich.

Diese Einleitung dürfte ein paar Jahre oder Jahrzehnte alt sein, denn wie in allen anderen Weinregionen bleibt auch in Württemberg das Rad der Zeit nicht stehen. Die Genossenschaften unter Druck, der Preiskampf mit dem Verbraucher kann am Ende nie gewonnen werden. Die Masse wird weniger, deren Qualität ebenso. Demgegenüber tut sich Neues hervor. Kleinere Betriebe, die weniger auf Masse denn auf Qualität abzielen. Insbesondere aber sind auch dies wieder Familienbetriebe, kleinere Anbauflächen, viel Handarbeit, viel Nachhaltigkeit und viel Liebe zum Produkt. Heraus kommen unverkennbare Weine, die sich qualitativ und preislich mit den anderen Regionen messen können. Vor allem aber Unverwechselbares, Distinktives und Charaktervolles. Spannende Entwicklung, wirklich. Früher bemühte man hierzu das Sprichwort von der Spreu und dem Weizen.
Das Weingut Eisele
Wir sind vor einigen Jahren zum ersten Mal auf ein paar kleinere Weingüter in Württemberg aufmerksam geworden. Und so zieht es uns mal wieder hinaus in die Weinwelt; ein Kurztrip in eine Region, die in puncto Weintourismus noch kräftig Nachholbedarf hat. Aber dazu später mehr. Eine Weinregion mit Flußtälern und Steilhängen, mit Terrassenanbau und sanften Hügeln. Genauer gesagt reden wir von Hessigheim, dem Unterland oder den Hessigheimer Felsengärten. Unser Ziel ist das Weingut Eisele, das auf 10 Hektar allerlei Qualität auf die Flasche bringt. Biodynamie und Terroir könnten die beiden groben Richtwörter für die Beschreibung der Arbeit von Alex und Eva Eisele sein. In 2.Generation Familienbetrieb und seit einigen Jahren unter Führung von Alex wurde der Wechsel von konventionellem Anbau und Massenproduktion (für die Genossenschaft) konsequent durchgezogen. Und das zahlt sich aus – definitiv.
Ein kühler, wenn auch nicht kalter Februartag. Nahezu windstill, aber nicht ganz niederschlagsfrei. In der kleinen Vinothek stehen wir zusammen mit Alex Eisele, die Flügeltüren nach beiden Seiten geöffnet bekommen wir einen ersten Eindruck, einen ersten Geschmack von der Region. Wir blicken auf Weinberge, Hügel und in kurzer Entfernung das Neckartal. Steile Lagen, terrassierte Anbau, renaturierte Terrassen. Alles wirkt idyllisch – und ein wenig verschlafen. Der Vergleich mit der Pfalz drängt sich automatisch auf inmitten der Weinberge, Weingüter und der gegenüberliegenden Genossenschaft. Allein die Dynamik fehlt hier. Es fehlt das Vibrierende, das Leben, das sich in einer auf Weinbau ausgelegten Region aus unserer Erfahrung fast immer nach draußen arbeitet. Es wirkt eben verschlafen. Dieser Eindruck wird durch Alex bestätigt. Auch er sieht etwas Nachholbedarf für seine Region und die Menschen hier. Nachholbedarf ist das Eine – Potential ist das, was mir in den Sinn kommt. Hier ließe sich ordentlich was aufziehn…



Jetzt kommen wir dann doch zur Sache. Die persönliche Ebene stimmt, die Rahmenbedingungen haben wir quasi angezogen wie einen gemütlichen Hoodie. Es geht los mit einer „Einstiegsversion“ in die Eisele Kollektion, dem Zündstoff. Eine Cuvee aus Riesling, Müller-Thurgau, Kerner und Cabernet Blanc und extremely drinky stuff. Auch hier hat man bereits die Eisele-Handschrift. Dem Wein wurde Zeit gegeben, Hefelager, gebrauchte Barriquefässer. Der Wein läuft auf der Terrasse.
Die Weine von Eisele
Wir arbeiten uns durch das Sortiment. Sauvignon Blanc, der letzte Grauburgunder (wird nicht mehr produziert). Charakterstark. Dazu Riesling vom Muschelkalk und Chardonnay – beide großartig in Silber- und Goldkapsel. Riesling Capi als klassischer Kabinett mit 44g Restzucker ein echter Läufer und fantastisch versatiler Essensbegleiter. Starke Range, wirklich. Laut Alex liegen die wahren Stärken aber beim Rotwein. 70% des Anbaus sind Rot. Lemberger vor allem. Aber auch Spätburgunder, Trollinger, Cabernet Sauvignon und Merlot. Wir unterhalten uns über das leidige Blaufränkisch oder Lemberger Wortgefuchse in der Weinwelt, vor allem aber beim Verbraucher. Wir sind uns einig und können dennoch nichts am status quo ändern. Bezüglich der Weine selbst hier muss man das auch nicht. Der Spätburgunder ist uns ein wenig zu glatt, zu abgerundet. Beim Lemberger 2023 gehen die Lichter an. Der kommt als Fassprobe daher, genau wie der Cuvee Adam aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Gefüllt wird später im Jahr, eben dann, wenn der Wein soweit ist. Dann wird er noch etwas in der Flasche lagern und dann zu den Kunden – wenn er so weit ist! Das ist hier wichtig: Alles zu seiner Zeit. Die Weine brauchen Zeit und Alex und Eva nehmen sich die Zeit. Das merkt man. Es wird akribisch gearbeitet, mit ruhiger Hand auf Qualität abzielend. Das Burgund schwebt auch hier immer über den Köpfen beim Verkosten, die Anlehnungen und Zielrichtungen zeichnen sich klar am Gaumen ab. Und wir können nicht anders als ein Kompliment auszusprechen: Eine gelungene Kollektion. Vielen Dank für diesen Dienstagmorgen, Alex. Vielen Dank für Deine Zeit. Für uns war das alleine schon den Ausflug wert. Die Gespräche, das Eintauchen, das Fühlen und Erschmecken. Ein Dienstagmorgen im Februar, nicht ganz niederschlagsfrei.

Und genau dieser Niederschlag holt uns auch ein bei unserer Abfahrt. Wir nehmen noch ein Mittagessen ein im benachbarten Besigheim. Romantische Idylle am Marktplatz und ein Mittagstisch nach französischer Manier, ein Schluck Wein aus Baden dazu als kleiner Frevel am Einheimischen unsererseits. Ja, das Burgund lebt offensichtlich auch hier.